Reiseapotheke für Japan [+ Checkliste zum Download]
08. Oktober 2026Japan gilt als einfaches Reiseland: Das Leitungswasser ist trinkbar, die Hygienestandards sind hoch, und die medizinische Versorgung ist mit der in Europa vergleichbar. Bei der Reiseapotheke für Japan liegt die eigentliche Hürde deshalb im japanischen Arzneimittelrecht. Mehrere Wirkstoffe, die in Deutschland ohne Rezept im Regal stehen, dürfen nicht ins Land gebracht werden, andere nur in begrenzter Menge oder mit vorab beantragter Genehmigung. Fällt das bei der Einreise auf, reichen die Folgen von der Beschlagnahmung bis zur Festnahme.
Hier finden Sie einen Überblick darüber, welche Mengen erlaubt sind, welche Wirkstoffe problematisch werden - aber auch dazu, welche Beschwerden in Japan je nach Jahreszeit häufiger vorkommen. So können Sie Ihre Reise entspannt planen.
Welche Medikamente Sie nach Japan einführen dürfen
Grundlage ist das japanische Arzneimittelgesetz, der Pharmaceutical and Medical Devices Act. Es unterscheidet nicht nach Markennamen, sondern nach Wirkstoff. Der erste Schritt ist deshalb ein Blick in die Packungsbeilage: Notieren Sie den Wirkstoff und übersetzen Sie ihn ins Englische, denn die japanischen Listen sind eher nur englischsprachig erhältlich.
Mengengrenzen für den Eigenbedarf
Für die Einreise ohne zusätzliche Papiere gelten Obergrenzen, die das japanische Gesundheitsministerium (Ministry of Health, Labour and Welfare, kurz MHLW) festlegt. Rezeptfreie Arzneimittel dürfen Sie in einer Menge von bis zu zwei Monaten Verbrauch einführen, ebenso Vitaminpräparate. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten liegt die Grenze bei einem Monatsvorrat. Für äußerlich anzuwendende Präparate wie Salben oder Augentropfen nennt das Ministerium eine Obergrenze von 24 Packungen je Produkt.
Die Mengen beziehen sich auf Ihre persönliche Tagesdosis. Behalten Sie alle Präparate in der Originalverpackung, packen Sie sie ins Handgepäck und legen Sie bei Dauermedikation eine Rezeptkopie sowie eine kurze ärztliche Bescheinigung auf Englisch dazu. Umgefüllte Tabletten in unbeschrifteten Dosen sind bei einer Kontrolle das größte Problem, weil sich der Wirkstoff nicht nachweisen lässt.

Wirkstoffe, die Japan nicht ins Land lässt
Manche Wirkstoffe fallen unter das japanische Stimulanziengesetz und sind ohne Ausnahme verboten, auch mit deutschem Rezept und ärztlichem Attest. Dazu zählen Amphetamin und Methamphetamin sowie Lisdexamfetamin, der Wirkstoff von Elvanse und Vyvanse. Einen Genehmigungsweg gibt es dafür nicht. Ebenfalls ausgeschlossen sind Opium und Cannabisprodukte einschließlich CBD-Öl.
Streng geregelt ist außerdem Pseudoephedrin, ein abschwellender Wirkstoff aus Erkältungs- und Schnupfenmitteln. In Deutschland steckt er in einigen Kombipräparaten, zum Beispiel in Aspirin Complex. Ab einem Anteil von zehn Prozent gilt Pseudoephedrin in Japan als Ausgangsstoff für Stimulanzien und darf nicht mitgeführt werden. Codein und Dihydrocodein aus Hustenmitteln sind nicht verboten, unterliegen aber den Mengengrenzen für Betäubungsmittel.
Das Einfuhrzertifikat Yunyu Kakunin-sho
Über den genannten Mengen brauchen Sie ein Einfuhrzertifikat, das Yunyu Kakunin-sho. Der frühere Name Yakkan Shoumei bezeichnet dasselbe Dokument und ist weiterhin in Umlauf. Nötig wird es bei längeren Reisen mit Dauermedikation, bei hohen Einzeldosen sowie bei Injektionen und mitgeführten Spritzen.
Der Antrag läuft kostenlos über ein Online-Portal des MHLW und setzt eine ärztliche Bescheinigung mit Diagnose, Wirkstoff, Dosierung und Reisezeitraum voraus. Offiziell muss der Antrag mindestens 14 Tage vor Ankunft eingehen, die Bearbeitung dauert in der Praxis bis zu vier Wochen. Planen Sie also zwei bis drei Monate Vorlauf ein. Das Zertifikat müssen Sie bei der Einreise vorlegen können, eine Nachreichung am Flughafen ist nicht vorgesehen. Fragen zu einzelnen Präparaten beantwortet das Ministerium per E-Mail an yakkan@mhlw.go.jp.
Weitere Antworten auf häufige Fragen finden Sie auch auf der Website der japanischen Botschaft in Deutschland.
ADHS-, Schlaf- und Beruhigungsmittel
Diese Gruppe führt am häufigsten zu Problemen. Methylphenidat, bekannt als Ritalin, Medikinet oder Concerta, gilt in Japan als psychotroper Stoff. Bis zu einem Monatsvorrat beziehungsweise 2.160 Milligramm ist die Einfuhr ohne Zertifikat möglich, darüber brauchen Sie eine Genehmigung der japanischen Betäubungsmittelbehörde. Für Zolpidem und Benzodiazepine gelten ähnliche Mengengrenzen. Lisdexamfetamin bleibt dagegen außen vor, weshalb eine Umstellung frühzeitig mit der behandelnden Praxis besprochen werden sollte. Japan passt die Listen laufend an, prüfen Sie den Stand also kurz vor Abflug erneut beim MHLW.
Womit Sie in Japan gesundheitlich rechnen sollten
Tropenkrankheiten spielen in Japan kaum eine Rolle, ein Malariarisiko gibt es nicht. Die typischen Beschwerden hängen von Reisezeit und Reiseform ab.
Hitze und Luftfeuchtigkeit im Sommer
Von Juni bis September liegen die Temperaturen in Tokio, Kyoto und Osaka häufig über 30 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent. Der Körper kühlt sich dadurch schlechter über Schweiß ab. Hitzeerschöpfung und Hitzschlag sind in japanischen Sommern ein verbreiteter Grund für Klinikeinweisungen, auch bei jungen und sportlichen Reisenden. Elektrolytpulver zum Auflösen in Wasser gehört deshalb ins Sommergepäck. Vor Ort gibt es in Supermärkten und Konbini elektrolythaltige Getränke und Kühlpads für Nacken und Stirn.
Zedernpollen im Frühjahr
Zwischen Februar und April blüht die japanische Sicheltanne, genannt Sugi, ab März zusätzlich die Hinoki-Zypresse. Beide wurden nach dem Krieg großflächig aufgeforstet, die Pollenbelastung in dieser Zeit ist entsprechend hoch. Bei einer Neigung zu Heuschnupfen packen Sie ein Antihistaminikum wie Cetirizin oder Loratadin ein, dazu gegebenenfalls Augentropfen. Masken gibt es vor Ort in jeder Drogerie.
Mücken, Zecken und Japanische Enzephalitis
Die Japanische Enzephalitis ist eine Virusentzündung des Gehirns, die durch Stechmücken übertragen wird. Erkrankungen bei Reisenden sind selten, verlaufen dann aber häufig schwer. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen mit Reisanbau und Schweinehaltung, und zwar in der warmen Jahreszeit. Das Auswärtige Amt rät zu konsequentem Mückenschutz und je nach Reiseprofil zur Impfung. Ein Repellent mit DEET oder Icaridin und lange Kleidung am Abend deckt den Basisschutz ab.
Beim Wandern in West- und Südjapan kommen Zecken hinzu, die dort das Tsutsugamushi-Fieber und in seltenen Fällen das SFTS-Virus übertragen. Kontrollieren Sie Haut und Kleidung nach Touren.
Magen-Darm-Beschwerden und rohe Speisen
Das Risiko ist deutlich geringer als in Süd- und Südostasien, Leitungswasser können Sie in Japan trinken. Zwei Punkte bleiben relevant: Im Winter treten Norovirus-Ausbrüche auf, teils über rohe Austern, und roher Fisch kann den Fadenwurm Anisakis enthalten. Loperamid gegen akuten Durchfall und eine orale Elektrolytlösung decken die häufigsten Fälle ab. Bei Fieber, blutigem Stuhl oder Beschwerden über mehr als zwei Tage sollten Sie auch im Urlaub auf jeden Fall ärztliche Hilfe suchen.

Füße und Gelenke bei langen Gehstrecken
Ein Japan-Tag mit Tempeln und Bahnhöfen bringt schnell 15.000 bis 20.000 Schritte, oft über Treppen und Kies. Blasenpflaster und ein Schmerzgel zur äußerlichen Anwendung sind deshalb sinnvoll. In Tempeln und vielen Restaurants ziehen Sie die Schuhe aus, weshalb heile Socken hier tatsächlich praktisch werden.
Impfungen für die Japanreise
Standardschutz nach STIKO
Für die Einreise nach Japan sind keine Impfungen vorgeschrieben. Aktuell sein sollte trotzdem der von der Ständigen Impfkommission empfohlene Grundschutz, also Tetanus, Diphtherie, Polio, Masern und Keuchhusten. Die Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie und Polio steht alle zehn Jahre an.
Zusatzimpfungen je nach Reiseform
Eine Hepatitis-A-Impfung wird für Fernreisen breit empfohlen und ist auch für Japan gut begründbar. Hepatitis B rückt bei längeren Aufenthalten oder wahrscheinlichem Kontakt mit dem lokalen Medizinbetrieb in den Blick. Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis ist bei mehrwöchigen Aufenthalten in ländlichen Regionen während der Übertragungszeit eine Überlegung wert. Lassen Sie sich vier bis sechs Wochen vor Abflug reisemedizinisch beraten, damit mehrteilige Impfserien rechtzeitig abgeschlossen sind.
Arzneimittel und Arztbesuche vor Ort
Wie Sie in Japan ein Medikament finden
Rezeptfreie Präparate gibt es in Drogeriemärkten, erkennbar am Schriftzeichen 薬 für Arznei, sowie in Apotheken mit Rezeptversorgung. In Konbini und Supermärkten finden Sie keine Arzneimittel. Zwei Dinge überraschen deutsche Reisende regelmäßig:
- Die Verpackungen sind fast ausschließlich japanisch beschriftet
- Die Einzeldosierungen liegen niedriger als in Europa.
Eine japanische Schmerztablette entspricht also nicht dem, was Sie zu Hause gewohnt sind. Deshalb ist eine Übersetzungs-App mit Kamerafunktion für die Packungsaufschrift wirklich praktisch.
Kosten, Vorkasse und Versicherung
Zwischen Deutschland und Japan besteht kein Sozialversicherungsabkommen, das touristische Behandlungen abdeckt. Viele Kliniken behandeln ausländische Patientinnen und Patienten nur gegen Vorkasse, kleinere Praxen nehmen häufig nur Bargeld. Eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rückholung gehört deshalb dazu, am besten mit einem Nachweis auf Englisch. Die Notrufnummer für Rettungsdienst und Feuerwehr lautet 119.
Checkliste: Reiseapotheke für Japan
Die folgende Zusammenstellung deckt die Grundausstattung für eine zwei- bis dreiwöchige Reise ab und wird in der Apotheke auf Vorerkrankungen und Reiseprofil abgestimmt.
Medikamente
- Persönliche Dauermedikation für die gesamte Reise, in Originalverpackung
- Ibuprofen oder Paracetamol gegen Schmerzen und Fieber
- Loperamid bei akutem Durchfall, nicht bei Fieber oder blutigem Stuhl
- Orale Elektrolytlösung als Pulver, für Durchfall und heiße Tage
- Antihistaminikum wie Cetirizin, gegen Insektenstiche und Pollen
- Reisetabletten mit Dimenhydrinat für Fähren und Bergstraßen
- Mittel gegen Sodbrennen, etwa einen Säurebinder
- Erkältungsmittel ohne Pseudoephedrin und ohne Codein
Wundversorgung und Hygiene
- Pflaster in verschiedenen Größen, Blasenpflaster, Mullbinde
- Wunddesinfektion, zum Beispiel Octenisept
- Pinzette und kleine Schere, im Koffer statt im Handgepäck
- Fieberthermometer und Handdesinfektionsgel
- Einige Einwegmasken für Arztbesuche und volle Züge
Sonnen-, Hitze- und Insektenschutz
- Sonnencreme mit LSF 50, im Sommer auch für Nacken und Ohren
- Repellent mit DEET oder Icaridin
- Kühlende Gelauflagen oder Kühlpads für Hitzetage
- Zeckenpinzette bei geplanten Wanderungen
Dokumente
- Impfpass, Kopie der Rezepte, ärztliche Bescheinigung auf Englisch
- Wirkstoffliste in englischer Sprache
- Falls nötig, das Yunyu Kakunin-sho in Papierform
- Nachweis der Auslandsreisekrankenversicherung auf Englisch
PDF-Download: Checkliste Reiseapotheke Japan zum Ausdrucken
Ihre Apotheke plant mit Ihnen
Bei der Reiseapotheke für Japan zählt sowohl die Menge als auch die richtige Auswahl. Bei Dauermedikation, chronischen Erkrankungen oder einer Reise mit kleinen Kindern lohnt sich ein Beratungstermin einige Wochen vor Abflug. Dann bleibt genug Zeit, kritische Wirkstoffe zu prüfen und bei Bedarf das Einfuhrzertifikat zu beantragen.
Sie haben Fragen zur Reiseapotheke für Japan oder zu einzelnen Wirkstoffen? Gesundheits-Expertinnen und -Experten aus Ihrer Region beraten Sie gerne. Hier gelangen Sie zur Expertensuche.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Einfuhrregeln können sich ändern, verbindliche Auskünfte gibt das japanische Gesundheitsministerium.