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Sollte ich Pharmazie studieren? Inhalte und Voraussetzungen

19. August 2026

Viele halten Pharmazie für die entspanntere Alternative zur Medizin. Das trifft nicht zu. Im Kern ist Pharmazie ein naturwissenschaftliches Fach, in dem Sie sehr viel Zeit im Labor verbringen und deutlich mehr Chemie hören als Anatomie.

Bis zur Berufszulassung vergehen mindestens fünf Jahre. Die erste Hürde liegt aber schon davor, denn das Fach gehört zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen und wird zentral vergeben.

Pharmazie und Medizin im Vergleich

Verschiedene Medikamente und Tabletten aus der Apotheke auf blauem Hintergrund
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In der Medizin steht der Mensch im Mittelpunkt, in der Pharmazie das Arzneimittel. Sie beschäftigen sich damit, woraus ein Wirkstoff besteht, wie er im Körper ankommt, wie er dort wirkt und wie sich seine Reinheit im Labor nachweisen lässt. Der Auftrag dahinter ist die sichere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln, und darauf ist die gesamte Ausbildung zugeschnitten.

Medizinische Fächer wie Anatomie und Pharmakologie gehören trotzdem dazu, allerdings als ein Teil des Programms unter mehreren. Patientenkontakt am Krankenbett gibt es im Studium nicht. Die Beratung kommt erst später dazu, dann direkt am Tresen in der Apotheke.

Auch von einem reinen Chemiestudium unterscheidet sich Pharmazie. Chemie geht in die Tiefe eines Fachgebiets, Pharmazie kombiniert mehrere Disziplinen rund um einen einzigen Gegenstand. Diese Breite macht das Fach abwechslungsreich, verlangt aber auch Durchhaltevermögen.

Voraussetzungen für das Pharmaziestudium

Studium Notizen machen und lernen am Schreibtisch mit Stift und Papier
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Wer Pharmazie studieren will, muss zwei Voraussetzungen erfüllen: eine Hochschulzugangsberechtigung und einen Studienplatz. Der zweite Punkt ist der schwierigere.

Weitere formale Voraussetzungen für das Pharmaziestudium gibt es nicht. Ein Chemie-Leistungskurs ist keine Bedingung, hilft in den ersten Semestern aber spürbar. Wichtiger als einzelne Schulnoten ist die Bereitschaft, sich auf Laborarbeit einzulassen.

Zulassung über Hochschulstart

Die Studienplätze vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung zentral, nicht die einzelnen Universitäten. Die Bewerbung läuft über das Portal hochschulstart.de und verteilt sich auf drei Quoten:

  • 30 Prozent gehen in die Abiturbestenquote, hier zählt allein die Note
  • 60 Prozent vergeben die Hochschulen nach eigenen Kriterien im Auswahlverfahren der Hochschulen
  • 10 Prozent entfallen auf die Zusätzliche Eignungsquote, in der Noten kaum ins Gewicht fallen

Eine Wartezeitquote existiert seit der Reform 2020 nicht mehr. Abwarten und sammeln bringt also nichts. Der sogenannte NC (“Numerus Clausus”) ist außerdem kein Wert, den eine Universität vorher festlegt. Er entsteht erst nach Abschluss eines Vergabeverfahrens als Grenze, bis zu der die Plätze gereicht haben, und verschiebt sich mit jedem Semester.

Der Eignungstest als zweite Chance

Ohne Spitzenabitur führt an vielen Standorten ein Eignungstest zum Ziel. Er heißt Studieneignungstest für den Studiengang Pharmazie, abgekürzt PhaST, und prüft naturwissenschaftliches Schulwissen sowie Denkaufgaben, etwa zum Textverständnis oder zum räumlichen Vorstellungsvermögen.

Sie bearbeiten ihn unter Aufsicht am Rechner im Testzentrum, er dauert etwa vier Stunden und ist kostenpflichtig. Ein Ergebnis kann Ihre Chancen verbessern, verschlechtern kann es sie nicht. Wie stark das Testergebnis zählt, legt jede Hochschule in ihrer Auswahlsatzung selbst fest. Prüfen Sie diese Satzungen für Ihre Wunschuniversitäten also vor der Anmeldung zum Test.

Zugang ohne Abitur

Die allgemeine Hochschulreife ist längst nicht mehr der einzige Weg. Die Länder regeln selbst, unter welchen Bedingungen auch beruflich Qualifizierte studieren dürfen. Wenn Sie eine Ausbildung in der pharmazeutisch-technischen Assistenz (PTA) oder in der Apothekerassistenz abgeschlossen haben und Berufserfahrung mitbringen, öffnet das je nach Bundesland die Tür zum Studium. Dieselbe Ausbildung bringt an vielen Hochschulen zusätzliche Punkte im Auswahlverfahren. Außerdem ersetzt sie später die Famulatur, also das achtwöchige Praktikum in einer Apotheke, das im Studium vorgeschrieben ist.

Aufbau und Ablauf des Apothekerstudiums

Das Apotheker Studium ist bundesweit einheitlich durch die Approbationsordnung für Apotheker geregelt. An allen Universitäten sind Inhalte und Prüfungen deshalb dieselben. Insgesamt dauert die Ausbildung fünf Jahre: vier Jahre an der Universität und ein Jahr in der Praxis. Verteilt darüber liegen drei Staatsexamen.

Grundstudium mit viel Chemie

Die ersten vier Semester legen die naturwissenschaftliche Basis. Auf dem Plan stehen unter anderem Allgemeine und Anorganische Chemie, Organische Chemie, Physik, Pharmazeutische Biologie und die Grundlagen der Arzneiformenlehre. Ein großer Block entfällt auf die pharmazeutische Analytik, in der Sie lernen, Substanzen zu identifizieren und Mengen exakt zu bestimmen. Verfahren wie die Titration oder die Chromatographie begleiten Sie durch das gesamte Studium.

In der vorlesungsfreien Zeit absolvieren Sie die Famulatur. Mindestens vier der acht Wochen müssen in einer öffentlichen Apotheke stattfinden. Den Rest können Sie in einer Krankenhausapotheke oder in der Industrie ableisten. Das Grundstudium endet mit dem schriftlichen ersten Staatsexamen.

Hauptstudium rund um Arzneimittel

Ab dem fünften Semester rückt das Arzneimittel selbst in den Mittelpunkt. Die Pharmazeutische Chemie behandelt Aufbau und Synthese von Wirkstoffen, die Pharmazeutische Biologie ihre Herkunft aus Pflanzen und Mikroorganismen. In der Pharmazeutischen Technologie geht es darum, wie aus einem Wirkstoff eine Tablette oder eine Salbe wird. Das Fach Pharmakologie und Toxikologie behandelt daneben Wirkung und unerwünschte Wirkung im Körper.

Die Klinische Pharmazie richtet den Blick auf die tatsächliche Anwendung beim Patienten, ein Wahlpflichtfach setzt einen eigenen Schwerpunkt. Das mündliche zweite Staatsexamen beendet den universitären Teil.

Das praktische Jahr

Apothekerin bei der Beratung einer Kundin in der Apotheke
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Nach acht Semestern folgt ein Jahr praktische Ausbildung. Sechs Monate davon verbringen Sie verpflichtend in einer öffentlichen Apotheke, die zweite Hälfte wahlweise dort, in einer Krankenhausapotheke, in der pharmazeutischen Industrie oder in einer wissenschaftlichen Einrichtung. In dieser Zeit heißen Sie Pharmazeutin oder Pharmazeut im Praktikum, kurz PhiP, und werden bezahlt.

Zum Abschluss des praktischen Jahres folgt das dritte Staatsexamen. Danach beantragen Sie die Approbation, also die staatliche Erlaubnis, den Beruf eigenverantwortlich auszuüben. Zuständig sind die Landesprüfungsämter, die auch über die Zulassung zu den einzelnen Prüfungsabschnitten entscheiden.

Anforderungen im Studienalltag

Das Apothekerstudium hat den Ruf, “verschult” zu sein, und das trifft zu. Der Stundenplan ist weitgehend vorgegeben, viele Veranstaltungen haben Anwesenheitspflicht. Laborpraktika belegen häufig ganze Tage. Dazu kommen schriftliche Protokolle und kurze Abfragen vor jedem Versuch, mit denen die Betreuer:innen prüfen, ob Sie vorbereitet sind.

Zwei Punkte sollten Sie vor der Bewerbung kennen: Erstens gibt es keinen Zwischenabschluss. Bei einem Abbruch nach sechs Semestern haben Sie keinen Bachelor in der Hand, sondern nur Scheine. Außerdem beginnt der Studiengang an den meisten Standorten ausschließlich zum Wintersemester, was eine Absage um ein ganzes Jahr verlängert.

Dafür ist der Weg klar strukturiert und das Ziel von Anfang an sichtbar. Für Menschen, die mit festen Vorgaben gut zurechtkommen, ist das eher eine Entlastung als eine Einschränkung.

Berufsfelder nach dem Studium

Die meisten Approbierten arbeiten in einer öffentlichen Apotheke, als Angestellte oder in der Leitung. Das ist der bekannteste Weg, aber nicht der einzige. Nach dem Abschluss stehen weitere Tätigkeitsfelder offen:

  • Krankenhausapotheken
  • die pharmazeutische Industrie, wo unter anderem die Zulassung neuer Präparate betreut wird
  • Behörden und Prüfinstitutionen im Arzneimittelbereich
  • der Sanitätsdienst der Bundeswehr
  • Krankenkassen und Fachverlage
  • Universitäten sowie Schulen für pharmazeutisches Fachpersonal

Wenn Sie noch unsicher sind, welche Rollen es in einer Apotheke überhaupt gibt, hilft der Überblick über die verschiedenen Berufe in der Apotheke und über den Unterschied zwischen Apothekerassistenz und PTA. Nicht jeder Wunsch nach pharmazeutischer Arbeit führt zwingend über ein fünfjähriges Studium.

Eignung für das Pharmaziestudium

Pharmazie passt gut zu Ihnen, wenn Sie gern genau arbeiten und Freude an Chemie haben. Ein großer Teil des Studiums besteht daraus, im Labor zu messen, zu rechnen und Ergebnisse festzuhalten. Auch das Reden sollte Ihnen liegen, denn in der Apotheke haben Sie den ganzen Tag mit Menschen zu tun.

Skeptisch sollten Sie werden, wenn Ihr Interesse vor allem der Krankheit und ihrer Behandlung gilt und weniger dem Stoff selbst. Dann kommen Medizin, Pflege oder ein therapeutischer Beruf eher infrage. Dasselbe gilt, wenn Sie ein Studium mit viel Wahlfreiheit und selbst gestaltetem Tempo suchen.

Am meisten Klarheit bringt ein Praktikum in einer Apotheke, noch vor der Bewerbung. Zwei Wochen hinter dem Tresen zeigen schneller als jeder Onlinetest, ob der Alltag zu Ihnen passt.

Häufige Fragen zum Pharmaziestudium

Ist Pharmazie schwerer als Chemie?

Pharmazie ist auf andere Weise anspruchsvoll. Chemie geht fachlich tiefer, Pharmazie deckt mehr Gebiete gleichzeitig ab und verlangt viel Auswendiglernen, etwa bei Arzneistoffen und Rechtsgrundlagen.

Kann ich mit Pharmazie promovieren?

Ja. Dafür reicht das zweite Staatsexamen, denn das ist der eigentliche Universitätsabschluss. Die Approbation brauchen Sie für eine Promotion nicht. Wie lange sie dauert und welche Note vorausgesetzt wird, regelt jede Fakultät in ihrer Promotionsordnung selbst.

Wird ein Pharmaziestudium aus dem EU-Ausland anerkannt?

Innerhalb der EU ist die Ausbildung weitgehend angeglichen, die Anerkennung der Berufsqualifikation läuft über ein geregeltes Verfahren. Klären Sie die Details vor dem Start mit der zuständigen Stelle in Deutschland.

Quellen

Bundesgesundheitsministerium: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/gesundheitswesen/gesundheitsberufe/apotheker (abgerufen am 06. August 2026)

Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland: https://www.bphd.de/nach-dem-studium/ (abgerufen am 06. August 2026)

Gesetze im Internet: https://www.gesetze-im-internet.de/aappo/BJNR014890989.html (abgerufen am 06. August 2026)

IMPP: https://www.impp.de/pruefungen/pharmazie.html (abgerufen am 06. August 2026)

Spektrum Lexikon der Chemie: https://www.spektrum.de/lexikon/chemie/chromatographie/1862 (abgerufen am 06. August 2026)

TU Braunschweig: https://www.tu-braunschweig.de/pharmazie/studium/pharmaziestudium (abgerufen am 06. August 2026)

Universität Freiburg: https://www.pharmazie-web.uni-freiburg.de/de/studiumpharmazie/der-studiengang-pharmazie-staatsexamen (abgerufen am 06. August 2026)