Scheidentrockenheit: Was hilft, Symptome & Ursachen
05. Mai 2026Scheidentrockenheit betrifft viele Frauen, und zwar nicht nur in den Wechseljahren. Sie entsteht durch ein Ungleichgewicht im Intimbereich, das Frauen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen erleben. Wenn die Feuchtigkeit in der Scheide fehlt, ist das oft schmerzhaft und stört im Alltag.
Die Schleimhaut in der Vagina braucht einen gewissen Feuchtigkeitsfilm, um gesund zu bleiben. Dieser Film schützt vor Infektionen und sorgt dafür, dass das Gewebe elastisch bleibt. Wenn dieser Schutz nachlässt, entstehen Probleme, die sich gut behandeln lassen.
Symptome der Scheidentrockenheit
Betroffene bemerken oft ein Brennen oder Jucken im Intimbereich. Viele denken zuerst an einen Pilz, aber bei Trockenheit fehlen oft die typischen Beläge einer Infektion.
Ein häufiges Anzeichen ist ein Spannungsgefühl. Die Haut fühlt sich wund an. Das zeigt sich besonders beim Laufen, beim Sport oder beim Sitzen. Auch beim Wasserlassen kann es brennen. Ein sehr deutliches Symptom sind Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Da die Gleitfähigkeit fehlt, entsteht Reibung. Diese Reibung verursacht kleine Verletzungen an der Schleimhaut. Manchmal treten danach leichte Blutungen auf. Wenn Sie diese Symptome für Scheidentrockenheit bei sich bemerken, sollten Sie die Pflege anpassen und weiter auf Ursachensuche gehen.
Mögliche Ursachen für Scheidentrockenheit
Die Feuchtigkeit in der Scheide wird durch Drüsen im Gebärmutterhals und durch die Gefäße der Scheidenwand produziert. Dieser Prozess wird fast ausschließlich durch Hormone gesteuert. Wenn sich dieser Hormonspiegel ändert oder äußere Faktoren die Durchblutung stören, nimmt die Feuchtigkeit ab.
Das passiert häufig in den Wechseljahren, aber auch nach einer Entbindung oder während der Stillzeit sinkt der Hormonspiegel stark ab. Manche Frauen bemerken die Trockenheit auch, wenn sie eine bestimmte Antibabypille oder andere Medikamente nehmen.
Wechseljahre und Östrogenmangel
In den Wechseljahren stellt der Körper die Produktion von Östrogen schrittweise ein. Das hat direkte Folgen für das Gewebe im Intimbereich. Die Scheidenwand wird dünner, weniger elastisch und schlechter durchblutet. Der medizinische Fachbegriff dafür ist vaginale Atrophie. Da die Schleimhaut weniger Glykogen produziert, verändert sich auch der pH-Wert. Die Scheide wird basischer, was die Ansiedlung von guten Milchsäurebakterien erschwert. Die Folge können Trockenheit und eine größere Empfindlichkeit für Reizungen sein.
Stillzeit und hormonelle Umbrüche bei jungen Frauen
Viele denken, Scheidentrockenheit sei ein reines Altersthema. Das stimmt nicht. Nach einer Entbindung und während der Stillzeit ist der Östrogenspiegel extrem niedrig, da der Körper das Hormon Prolaktin für die Milchbildung produziert. Prolaktin unterdrückt Östrogen. Das führt bei vielen Müttern zu einer ausgeprägten Trockenheit, die oft erst nach dem Abstillen wieder verschwindet. Auch Frauen, die eine sehr niedrig dosierte Antibabypille (Minipille) nehmen, können davon betroffen sein, da die natürliche Hormonproduktion unterdrückt wird.
Medikamente als Ursache
Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die als Nebenwirkung die Schleimhäute austrocknen. Das betrifft nicht nur den Mund oder die Augen, sondern den gesamten Körper. Vor allem Antihistaminika gegen Allergien, bestimmte Blutdrucksenker (Betablocker) und Antidepressiva sind hier zu nennen.
Auch Behandlungen gegen Krebs, wie eine Chemotherapie oder Antihormon-Therapien bei Brustkrebs, greifen die Schleimhäute an und führen oft zu einer sehr schmerzhaften Trockenheit.
Psychische Belastung und Nervensystem
Die Befeuchtung der Scheide ist auch ein Vorgang, der durch das vegetative Nervensystem gesteuert wird. Bei Stress schüttet der Körper Adrenalin und Cortisol aus. Diese Hormone signalisieren dem Körper eine Gefahrensituation, in der Fortpflanzung und sexuelle Erregung keine Priorität haben. Die Durchblutung der Geschlechtsorgane wird gedrosselt und die natürliche Lubrikation verhindert. Wer dauerhaft unter Stress steht, bemerkt daher oft eine allgemeine Trockenheit im Intimbereich.
Cremes und Zäpfchen zur Behandlung und Pflege
Produkte zur lokalen Anwendung sind die Basis der Behandlung von Scheidentrockenheit. Man unterscheidet hier zwischen Mitteln, die Hormone enthalten, und hormonfreien Varianten. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten!
Hormonfreie vs. hormonhaltige Produkte
Hormonhaltige Cremes enthalten eine geringe Dosis Östriol. Das wirkt direkt an der Schleimhaut und baut diese wieder auf. Diese Mittel sind verschreibungspflichtig. Frei verkäuflich in der Apotheke sind dagegen hormonfreie Produkte. Diese wirken physikalisch. Sie führen Feuchtigkeit zu und helfen der Haut, diese zu speichern. Sie können als Langzeitpflege verwendet werden und haben den Vorteil, dass sie den gesamten Hormonhaushalt des Körpers nicht beeinflussen.
Wichtige Inhaltsstoffe: Hyaluron und Lipide
Hyaluronsäure ist ein Stoff, der auch natürlich im Körper vorkommt. Sie kann große Mengen Wasser binden und gibt diese nach und nach an das Gewebe ab. Lipide (Fette) sind wichtig, um die Haut geschmeidig zu halten und kleine Risse zu schließen. Milchsäure ist ein weiterer wichtiger Zusatz. Sie sorgt dafür, dass der pH-Wert in der Scheide sauer bleibt (zwischen 3,8 und 4,5), was vor Infektionen schützt.
Anwendung von Cremes
Eine gute Creme führt der Haut Fett und Feuchtigkeit zu. Sie können im äußeren Bereich aufgetragen werden, wenn dort Reizungen vorliegen. Viele Produkte enthalten zusätzlich einen Applikator, mit dem die Creme in die Scheide eingeführt werden kann.
Cremes sind hilfreich, wenn die Haut bereits gereizt ist oder Risse hat. Sie legen sich auf die Stelle und beruhigen die Haut sofort.
Zäpfchen
Zäpfchen gegen Scheidentrockenheit sind für die Anwendung im Inneren gedacht. Man führt sie meistens abends vor dem Schlafengehen ein. Das Zäpfchen schmilzt durch die Körperwärme und verteilt den Wirkstoff gleichmäßig. Das ist sauber und unkompliziert. Zäpfchen eignen sich gut für Frauen, die eine langanhaltende Wirkung über Nacht wollen. Sie spenden Feuchtigkeit in den tieferen Bereichen der Scheide. Neben Zäpfchen, die ausschließlich auf Feuchtigkeit setzen, gibt es auch solche, die zusätzlich Milchsäurebakterien enthalten, um die Flora wieder aufzubauen.
Scheidentrockenheit: Was hilft im Alltag?
Gleitgele für den Geschlechtsverkehr
Wenn es nur um den Sex geht, ist ein Gleitgel die schnellste Lösung. Es ersetzt die fehlende natürliche Flüssigkeit für kurze Zeit. Das verhindert Schmerzen und Verletzungen während der Intimität.
In der Apotheke gibt es Gele auf Wasserbasis oder Silikonbasis. Wasserbasierte Gele ziehen schneller ein und sind sehr verträglich. Silikongele gleiten länger. Wichtig ist, dass keine Duftstoffe oder Konservierungsmittel enthalten sind, da diese die Schleimhaut reizen können. Wenn Kondome benutzt werden, muss das Gel dazu passen. Fettige Produkte wie Vaseline oder Babyöl können Kondome beschädigen.
Sanfte Intimhygiene
Der größte Fehler bei Scheidentrockenheit ist übertriebene Hygiene. Viele Frauen versuchen das unangenehme Gefühl durch häufiges Waschen zu lindern. Normale Seifen, Duschgels und sogar spezielle Intimwaschlotionen aus der Drogerie enthalten oft Tenside und Duftstoffe. Diese entziehen der Haut Fett und zerstören die natürliche Schutzschicht. Klares Wasser ist völlig ausreichend. Wenn Sie Produkte nutzen, achten Sie darauf, dass diese keine Konservierungsstoffe enthalten und für extrem trockene Haut geeignet sind.
Richtige Kleidung
Haut braucht Luft zum Atmen. Synthetische Materialien wie Polyester oder Nylon in Unterwäsche sorgen für einen Wärmestau. Das fördert einerseits das Wachstum von Pilzen und reizt andererseits die trockene Schleimhaut durch mechanische Reibung. Tragen Sie Unterwäsche aus Baumwolle oder Seide. Auch zu enge Hosen wie Jeans können den Druck auf den Schambereich erhöhen und die Symptome verstärken.
Ernährung und ausreichend Trinken
Die Schleimhäute im Körper brauchen Wasser, um Sekret zu produzieren. Wer zu wenig trinkt, merkt das oft zuerst an trockenen Lippen oder Augen – aber auch die Scheidenflüssigkeit nimmt ab. Mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag unterstützen die Hydrierung des Gewebes. Bestimmte Fette in der Nahrung, wie Omega-3-Fettsäuren (in Leinöl oder Fisch), helfen dem Körper zudem, die Barrierefunktion der Haut aufrechtzuerhalten.
Rauchen und Durchblutung
Rauchen schadet den Gefäßen. Da die Feuchtigkeit in der Scheide unter anderem durch das Austreten von Flüssigkeit aus den Gefäßen der Scheidenwand entsteht, ist eine gute Durchblutung wichtig. Rauchen verengt diese Gefäße und sorgt dafür, dass weniger Blut im Beckenbereich ankommt. Das senkt die Fähigkeit der Scheide, sich selbst feucht zu halten. Ein Verzicht auf Nikotin verbessert oft schon nach wenigen Wochen den Zustand der Schleimhäute.
Nutzen Sie die Beratung in der Apotheke
Das Fachpersonal in Ihrer Apotheke kennt die Unterschiede zwischen den Marken und Inhaltsstoffen. Sie können Ihnen Proben oder kleinere Packungsgrößen zum Testen anbieten und Sie individuell beraten.
Wenn die Beschwerden trotz Pflege bleiben, suchen Sie sich Hilfe in einer gynäkologischen Praxis.