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Warum wir Kälte unterschiedlich empfinden

30. Dezember 2020

Menschen nehmen Temperaturen entsprechend ihrem individuellen Kälteempfinden wahr. Während der eine fröstelnd seinen Pullover überzieht, macht der andere das Fenster auf, weil ihm warm ist. Woran das liegt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wie wir Temperaturen wahrnehmen

Auf der menschlichen Hautoberfläche befinden sich mehr als 30.000 Kälterezeptoren und etwa 3.000 Sinneszellen für die Wahrnehmung von Wärme. Die nur einen Quadratmillimeter großen Sinnesorgane, die man Thermosensoren nennt, reagieren bereits auf geringe Temperaturschwankungen. Sie münden in Nervenzellen, die die Veränderungen an das Rückenmark und von dort aus ans Gehirn weiterleiten.

Ist es im Winter kalt, frieren wir. Dabei werden unsere Kälterezeptoren aktiviert, die die entsprechende Information ans Gehirn weitergeben. Im weiteren Verlauf ziehen sich die kleinen Blutgefäße in der Haut zusammen und leiten mehr Blut ins Innere des Körpers. Dadurch sinkt die Körpertemperatur. Sichtbares Zeichen des Frierens ist die Gänsehaut. Sinkt die Hauttemperatur noch mehr, beginnt der Körper zu zittern. Auf diese Weise steigert er die interne Wärmeerzeugung. Neben diesen bei allen Menschen ähnlich ablaufenden physiologischen Vorgängen gibt es individuelle Unterschiede beim Kälte- und Wärmeempfinden. Sie hängen von verschiedenen Faktoren ab.

Gründe für das unterschiedliche Empfinden von Kälte

Der wichtigste Grund, weshalb jeder von uns Kälte anders empfindet, ist die wahrscheinlich genetisch bedingte Dichte und Verteilung der Kältesinneszellen in der Haut. Sie variiert von Mensch zu Mensch. Darüber hinaus gibt es noch weitere Faktoren, die das Kälteempfinden beeinflussen. Zu diesen gehören unter anderem das biologische Geschlecht, der Blutdruck und das Körpergewicht:

  • Dünne Menschen frieren oft mehr als korpulente Personen. Letztere haben ein dickeres Unterhautfettgewebe, das die inneren Organe vor zu starker Wärmeabgabe schützt.
  • Patienten mit niedrigem Blutdruck nehmen Kälte ebenfalls intensiver wahr als solche mit normalem Blutdruck oder Bluthochdruck.
  • Männer frieren seltener als Frauen, weil sie eine stärkere und besser isolierte Haut haben, die weniger Körperwärme abgibt. Außerdem erzeugt ihr Körper mehr Wärme.
  • Menschen im höheren Lebensalter leiden stärker unter Kälte im Winter, weil ihre Haut dünner ist und ihr Organismus wegen der verringerten Muskelmasse und des niedrigeren Grundumsatzes nur wenig Wärme produziert. Außerdem nehmen sie oft zu wenig Nahrung zu sich oder haben Erkrankungen, die ihren Stoffwechsel ungünstig beeinflussen.
  • Sind Sie müde, empfinden Sie Kälte im Winter intensiver. Schuld daran ist der Nervus Parasympathikus. Er regelt bei Müdigkeit alle nicht dringend benötigten Körperfunktionen herunter. Als Folge sinkt Ihre Körperkerntemperatur.
  • Stammen Sie aus einer Region, in der im Winter klirrende Minusgrade herrschen, frieren Sie weniger als jemand aus unseren Breiten, denn Ihr Kälteempfinden ist an diese Bedingungen angepasst.
  • Bestimmte Erkrankungen (Infektionen) sorgen ebenfalls dafür, dass man stärker friert.
  • Sogar die Lebensweise und Stimmungen können das Kälteempfinden beeinflussen. Forscher fanden heraus, dass Menschen leichter frieren, wenn sie sozial isoliert leben oder an Depressionen leiden.

Was Sie gegen Kälteempfindlichkeit tun können

Leiden Sie unter Ihrer Kälteempfindlichkeit, gibt es durchaus ein paar Dinge, die Sie unternehmen können. Um die Blutgefäße an kältere Temperaturen und Temperaturschwankungen zu gewöhnen, gehen Sie regelmäßig in die Sauna oder machen Sie zu Hause Wechselduschen. Durch den Übergang zum Kältereiz werden Ihre Blutgefäße optimal trainiert. Außerdem machen häufige Spaziergänge in der kalten Winterluft die Kältesinneszellen unempfindlicher. Betreiben Sie öfter Ausdauersport wie Radfahren oder Joggen, erzeugt Ihr Körper mehr Wärme. Doch Vorsicht: Trinken Sie keinen Alkohol, wenn Sie frieren. Auch wenn die Kältesensoren Ihnen wohlige Wärme vorgaukeln, ist das Gegenteil der Fall. Ihr Körper gibt Wärme ab.

Mehr Gesundheitsinformationen finden Sie auf www.gesundinformiert.de.

 

Referenzen

BR (2007). Temperaturempfinden. Link
Kandler-Schmitt, Barbara (2019). Warum wir Kälte unterschiedlich empfinden. Link